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Zwischenstop in Kuwait

Mittwoch, Dezember 9th, 2009

Bereits auf dem Flughafen in Frankfurt stehen sie mit uns an: viele Frauen, von denen man nur die Augen durchblitzen sieht. Auch das nur, wenn man ganz genau hinschaut. Warum nur machen die das? Meine Mama sagt, es ist die Religion. Die wird in einigen Ländern und in einigen Kreisen so gelebt, dass man bei der Frau kein Stückchen Haut sehen darf damit die Männer nicht vom Beten abgelenkt werden. Wenn sie zum Schwimmen gehen, dann ziehen sie einen ganz schwarzen Anzug an, keinen Badeanzug, sondern einen, der den ganzen Körper und Kopf bedeckt. Wie die sich wohl unter dem Schleier fühlen? Auf jeden Fall könnten die Jedem die Zunge rausstrecken, und keiner könnte es sehen. Hat also auch was Gutes!
Kurz bevor wir in das Flugzeug einchecken fährt an uns eine Frau im Rollstuhl vorbei. Besser gesagt, es ist fast nur ein Kopf im Rollstuhl. Der Körper ist fast nicht da. Und doch lächelt das Gesicht. Menschen sind Menschen, unabhängig von ihrem Körper finde ich. Warscheinlich fühlt und denkt sie genauso wie alle anderen. Und doch gehe ich die nächsten Schritte auf meinen eigenen Beinen sehr glücklich und bin echt froh, dass sie so gut funktionieren.
Im Flugzeug gibt es einen Radiosender, auf dem der Koran gesungen wird. Das hört sich echt toll an! Ich werde mir in Kuwait eine CD davon kaufen. Ich mag das! Auf dem Bildschirm vorne im Flugzeug zeigt ein Pfeil immer in die Richtung, wo die Stadt Mekka liegt, damit Muslime wissen, in welche Richtung sie beten müssen. Denn das ist immer in die Richtung Mekka.
In Kuwait sieht man die gleichen bunten Bilder, Werbungen und Produkte wie bei uns. Nur die Buchstaben sehen ganz anders aus, verschnörkelt und schön. Aber lesen kann ich leider nichts von dem. Meine Mama sagt, man liest die Schrift von rechts nach links. Es heißt: arabisches Alphabet. Aber eines ist gemein: da kann ich gerade lesen und schon wieder ist alles wie ein Buch mit sieben Siegeln. Strassenschilder und Namen sind dann aber doch auch in englischer Sprache dazugefügt. Der Emir, sozusagen der König von Kuwait, wusste wohl, dass ich vorbeikomme. Danke! Eingeladen hat er mich allerdings nicht, dabei hat er wirklich ein riesiges Haus. Der muss viel Geld haben!

Eine Sache ist mir noch gleich aufgefallen: die Männer tragen hier Kleider! Ganz lang und luftig sehen die aus. Ein Freund von meiner Mama hat mir erklärt, dass sie tatsächlich gemütlich und angenehm zu tragen sind. Vorallem im echt heißen Sommer. Da kann es bis zu 50 Grad warm werden. So warm wie ein heißer Kakao. Kuwait liegt nämlich in der Wüste. Im Sommer sind die Kleider der Männer weiss, im Winter schwarz. Und in den Jahreszeiten dazwischen oder warscheinlich wenn man vergessen hat zu waschen, dann sind sie grau.
Wir sind dann auf einen Markt gegangen. Der war bunt und laut und ganz anders als der Markt in Palma. Auch komisch ist, dass man bei jedem Preis handeln muss. Also man darf nicht den Preis bezahlen, den der Verkäufer nennt, sonst ist der nämlich beleidigt. Meine Mama kann nicht handeln. Sie kam echt ins Schwitzen bei den ganzen Argumenten und Preisen. Am Ende dann haben wir doch alles gekauft was wir wollten. Meine Mama meint, die haben uns über den Tisch gezogen und das Deutsche eben nicht handeln können. Was meint sie damit?
Dann sind wir durch die Fleischabteilung geschlendert. Da waren lauter ganz ekelhafte Dinge, brrrr. Meine Mama wollte unbedingt einen Schafskopf fotografieren. Der sah gruselig aus, hatte noch Zähne und Augen. Ich wollte nicht und bin schreiend weggelaufen, aber sie hat es trotzdem gemacht. Gemein! Dieses Foto will ich mir nie nie nie angucken!