INDIEN

März 2nd, 2010

 WAS DU SCHON IMMER ÜBER INDIEN WISSEN WOLLTEST

 

Es leben 1,2 Milliarden Menschen in Indien, in langer Form 1.200.000.000, eine Zahl mit 10 Ziffern! Es ist die größte Demokratie der Erde, das bedeutet die Form der Politik ist so wie in Deutschland; man kann wählen gehen und jeder darf mitbestimmen. Die Menschen in Indien haben nicht so viel Geld wie Menschen in Deutschland oder Spanien. Die Hälfte der 1,2 Milliarden Menschen haben weniger als einen Euro am Tag zum Leben. Davon müssen sie Essen und Trinken kaufen. Die Preise sind zwar sehr viel niedriger als in Deutschland und trotzdem ist 1 Euro sehr wenig Geld. Die Häuser sehen häufig ganz anders aus, sie sind sehr einfach und oft leben viele Familienmitglieder zusammen darin. Nur die Hälfte der Menschen in Indien hat Strom! Stellt euch das mal vor: kein Fernseher, keine Lampe, kein Kühlschrank, keine Musik. Aber für viele ist es normal und sie scheinen echt nichts zu vermissen. Die Kinder spielen viel draußen auf der Straße. Sie spielen mit Murmeln und Cricket oder unterhalten sich. Im Supermarkt gibt es ganz andere Sachen zu kaufen als bei uns. Es sind auch keine großen Supermärkte, sondern kleine Buden an der Straße und Supermärkte in miniklein. Oft gibt es nur die Dinge zu kaufen, die in der Nähe wachsen. In Indien wachsen aber eine ganze Menge leckerer Dinge: Reis, Erdnüsse, Sojabohnen, Kokosnüsse, Mangos, Bananen, Tee, Kaffee, Zimt und vieles mehr. Im Süden von Indien wachsen besonders viele Sachen, denn dort regnet es einige Monate lang und alles ist grün und voller Blumen.

Es gibt in Indien sehr große Städte, in denen viele Menschen wohnen. Delhi zum Beispiel: da wohnen 17 Millionen Menschen oder in Mumbai: sogar 20 Millionen. Da wollten meine Mama und ich aber lieber nicht hin, denn sogar in den kleineren Städten ist es schon echt schnell und laut und bunt und dreckig. Es gibt nirgends Mülleimer! Deswegen schmeißen alle den Müll auf die Straßen und dort wird er angezündet. Also es brennen an vielen Straßenecken kleine Feuerchen, deswegen ist es oft verraucht und es stinkt. Schwierig ist es, weil es heutzutage viel Plastik gibt. Früher hatte man bestimmt nur Gemüseabfälle. Aber wenn Plastik verbrennt, dann kokelt und stinkt es. Plastik ist eine doofe Erfindung, nicht nur für Indien.

Wenn man in Indien mit einem Auto fährt, dann wird man ordentlich durchgeruckelt, weil die Straßen viele Löcher haben. Ich finde das lustig, aber wenn das ganz lange schaukelt und rumpelt, dann werde ich immer ein bisschen müde. Auf den Straßen ist überall ein buntes Durcheinander. Ziegen, Kühe, Hunde, Katzen, Hupen, Menschen. Es ist ganz anders als in Deutschland oder Spanien und viel, viel lauter. Wir sind ganz oft mit einem Taxi mit nur drei Rädern gefahren, das heißt Riksha.

In Indien werden 100 verschiedene Sprachen gesprochen, puh, eine Menge. Also wenn ich Malayalam lernen würde (die Sprache in Kerala, das Land, in dem wir waren), da kann ich schon ein paar Wörter, und ich fahre dann ein Dorf weiter, dann verstehen die Menschen mich wahrscheinlich schon nicht mehr. Also am besten weiter mit der Zeichensprache und Lächeln. Das ist universell. Das einzige was man in Indien bedenken muss ist, dass die Kopfbewegung beim Wort JA aussieht, wie bei uns das NEIN. Man rollt den Kopf von einer Seite zur anderen. Am Anfang war das echt ungewohnt, denn wir dachten, die Menschen sagen nein. Aber schon nach ganz kurzer Zeit haben wir selber mitgerollt und als wir wieder in Spanien waren, mussten wir es uns erst wieder abgewöhnen.

Die Menschen in Indien sind total freundlich und neugierig. Sie lachen ganz viel. Sie haben das schönste und liebste Lächeln auf der ganzen Welt!

 

VIELE BUNTE TIERE

 

In Indien leben viele verschiedene Tierarten: der indische Elefant, der Königstiger, Leoparden, Löwen, Schneeleoparden im Himalaja, Mungos, Nashörner und viele mehr. Es soll auch Affen geben, obwohl ich habe nicht einen einzigen gesehen. Es gibt zwei Affenarten die in Indien als heilig gelten. Die dürfen noch nicht einmal geärgert werden. Die haben bestimmt ein lustiges Leben!

Es gibt auch ganz viele Schlangen. Zum Beispiel die Königskobra, die ist fast 6 Meter lang und somit die größte Giftschlange der Welt. Versuch mal 6 Meter zu messen, also dreimal die Tür hoch oder vielleicht einmal der ganze Raum in dem du gerade bist. Das ist echt eine große Schlange. Wenn Du eine Kobra sehen solltest dann klettere auf keinen Fall auf einen Baum, denn sie kann auch super klettern. Aber eigentlich beißt sie eher selten, sie soll sehr schüchtern sein und flieht wahrscheinlich vor Dir auf einen Baum. Dann gibt es die Tigerphyton. Die ist nur 3 Meter lang und wenn sie einen Feind sieht, dann zischt sie ganz laut. Bei ihr solltest Du nicht ins Wasser fliehen, denn die kann schwimmen, und wahrscheinlich viel schneller als du. Aber auch sie kriecht viel lieber vor dem Menschen weg. Übrigens können Schlangen nicht hören. Wenn die Schlangenbeschwörer in Indien mit ihren Flöten die Tiere tanzen lassen, dann ist das nicht auf echt tanzen sondern eine Mischung aus Angreifergeste und Licht. Ich hab übrigens auch eine echte Schlange in Indien gesehen. Die Farbe der Schlange sah genauso aus, wie die grau-hellschwarz gestreifte Farbe von unserem Kater „Tiger“, nur ohne Fell und ohne Schnurrhaare. Die hat sich genauso erschrocken wie ich und wir sind beide voreinander weggelaufen und weggekrochen. Diese Schlange war zwar nur einen Meter lang, aber trotzdem hatte ich echt Angst!

Es gibt einen ganz langen und heiligen Fluss der durch Indien fließt, der Ganges. Er ist 2511 km lang, so weit wie von Hamburg nach Mallorca! Die Inder sagen, dass wenn sie in dem Fluss baden, ihnen alle Sünden vergeben sind. Eigentlich möchte jeder Inder am Gangesufer sterben und dann die Asche in den Fluss werfen lassen. Wir haben einen ganz kleinen Behälter mit Gangeswasser aus Indien mitgebracht, der ist ganz fest zugemacht. Ich hebe es auf, für den Fall, daß ich mal etwas ganz Freches mache. Dann könnte ich mich mit dem Wasser waschen. Schon lustig, welche Bedeutung Wasser haben kann. Viele Inder trinken das Gangeswasser auch, obwohl es echt dreckig ist. In diesem Ganges lebt der Gangesdelfin. Der sieht lustig aus.

 

DER GROßE GRAUE ELEFANT

 

Der indische Elefant lässt sich viel leichter zähmen als sein afrikanischer Verwandter, also der Elefant, der in Afrika wohnt. Außerdem hat er kleinere Ohren, 4 statt drei Zehen an den Hinterbeinen und nur eine fingerartige Rüsselspitze. Der indische Elefant ist drei Meter hoch, sechs Meter lang und wiegt so 5000kg, so viel wie sechs Autos. Damit er so groß werden kann, muss er 150kg Nahrung jeden Tag essen…das ist eine ganze Menge….so viel wie 300 Packungen Nudeln jeden Tag. Die Männchen haben größere Stoßzähne als die Weibchen. Oft fehlen die Stoßzähne ganz. Das ist klug, denn viele Elefanten werden wegen dem Elfenbein der Stoßzähne gejagt und getötet. Es gibt auch schon nicht mehr so viele Elefanten wie früher. Es sind wirklich tolle Tiere.

Wir haben ein Waisenhaus für Elefanten in Indien besucht. Dort gibt es ganz kleine Elefanten. Die werden von Menschen versorgt, denn sie haben ihre Eltern verloren und könnten alleine im Dschungel nicht überleben. Jedes Elefantenwaise hat einen Menschen, der sich exklusiv nur um dieses kümmert. Oft schläft der Mensch auch beim Elefanten. Die sind dann ganz große Freunde. Jeden Tag bekommt der Elefant ein Bad. Dafür nimmt man ein Stück Kokosnuss Schale oder einen Stein und reibt kräftig jeden Zentimeter Elefant ab. Und das sind viele Zentimeter. Der Elefant findet diese Massage schön und seiner dicken Haut tut das gut. Deswegen nennt man die Tiere wohl auch Dickhäuter. Ich durfte ein Elefantenkind in einem Fluss waschen. War schon ein komisches Gefühl, denn ich hatte ein wenig Befürchtung, dass es aufspringen könnte. Aber diese Tiere sind so sanft und lieb und schauen ganz genau wer sie wäscht und suchen Liebe und ab und zu mal eine Banane und dann noch eine und nochmal eine. Sie schnuppern zuerst mit ihrem langen Rüssel, der aussieht wie ein gigantischer Staubsaugerschlauch. Aber sie schnuppern ganz sanft und es fühlt sich an, als ob man eine Banane vor den Staubsauger hält. Dann nimmt er die Banane mit seinem fingerartigen Ende des Rüssels aus der Hand, hält sie fest und führt das ganze schließlich zu seinem Mund und lässt es in seine Zunge fallen. Die Zunge sieht aus, wie eine Tasche. Wenn ihr mal in Indien seid oder im einem Zoo, dann schaut euch doch mal die Form der Zunge genau an. Die ist ganz anders als bei uns im Mund.

In diesem Waisenhaus für Elefanten konnte ich mit meiner Mama auf einem riesig großen Elefanten reiten. Ich musste erst auf einen Turm steigen, um dann auf den Rücken zu krabbeln. Der Elefant hat übrigens überall am Körper ganz viele Haare, die sind hart wie kleine Nadeln. Wenn man auf seinem Rücken sitzt, dann piekst das richtig in den Popo. Erst hatte ich schon ein bisschen Angst, drei Meter Tier ist echt hoch. Wenn der Elefant losgeht, dann schaukelt das wie auf einem Schiff. Man kann von oben aber alles sehen und es ist ein tolles Gefühl! Das müsst ihr unbedingt auch mal machen.

 

 

 

 

 

DER GLAUBE VERSETZT BERGE

 

In Indien gibt es viele unterschiedliche Religionen. Es gibt Hindus, Moslems, Christen, Buddhisten und viele mehr. Die meisten Inder sind allerdings Hindus und überall wo man hinschaut sieht man Bilder von ihren Göttern, Blumen, geschmückte Bäume und man hört laute Musik Tag und Nacht aus den Tempeln, ihren Kirchen. Hindus und Buddhisten glauben daran, dass man ganz oft und immer wieder geboren wird. In welcher Form wir auf der Welt leben hängt davon ab, wie unser „Karma“ ist. Karma bedeutet Tat, also alles was wir tun und wie wir es tun. Sie glauben, dass man als Mensch oder als Tier oder auch als Pflanze auf die Erde zurückkehren kann. Stellt Euch mal vor, ihr könntet auch als Tier wiedergeboren werden. Ich wäre dann gerne ein Igel, ein Känguru oder ein Koala. Die Hindus und Buddhisten haben oft großen Respekt vor allen Tieren, weil zum Beispiel in einer Ameise die Seele von ihrer Oma leben könnte oder im Baum die Seele von Ur-Uropa. Im Süden von Indien sind die meisten Menschen Vegetarier, also sie essen nur Obst, Bohnen, Gemüse und andere leckere indische Sachen, aber kein Fleisch.

Es gibt in Indien einige Menschen die ganz allein leben, ohne Familie und ohne Besitz. Sie schauen auch kein Fernsehen oder haben ein Auto. Sie beten den ganzen Tag. Diese Menschen werden „Sadhus“ genannt. Einige von ihnen leben bei einem Guru, einem Lehrer, der ihnen zeigt, wie man meditieren und beten kann. Diese Menschen haben ein echt strahlendes Lächeln.

 

VIELE, VIELE GÖTTER…

 

Meine Mama hat mir erzählt, dass ein Mensch, der sich damit auskennt, alle Götter in Indien gezählt hat. Er hat dann 330 Millionen gezählt….das ist eine Zahl mit 9 Ziffern, also 330.000.000. In einem Buch namens „Veden“ werden die wichtigsten beschrieben. Die Veden sind ungefähr 3000 Jahre alt, viel älter als die Bibel. Man hat die Veden in der Sprache Sanskrit geschrieben. Diese Sprache ist also auch 3000 Jahre alt und ist die heilige Sprache der Hindus. Sogar heute noch benutzt man sie bei Hochzeiten, religiösen Feiern und Gottesdiensten in Indien. Es gibt einige Wörter, die aus dem Sanskrit kommen. Ein paar davon kenne ich: Orange, Mandala, Mantra, Dschungel, Yoga, Avatar, Chakra, Guru und Ashram. Mama auf Sanskrit heißt: „matri“ und Papa: „pitri“. Wenn Du das sagen kannst, dann kannst auch Du ein kleines bisschen Sanskrit, eine der ältesten Sprachen der Welt!

 

Weil es so viele Götter in Indien gibt, kann sich jeder Hindu einen oder mehrere aussuchen. Mit diesem redet er dann oder er bittet ihn um Hilfe. Oft wird dabei ein Räucherstäbchen angezündet und man macht Musik. Ich habe gehört, dass manche ihren Lieblingsgott wie ein Familienmitglied behandeln. Man wäscht die Statue des Gottes, man zieht sie an, man schmückt sie mit immer frischen Blumen und gibt ihnen sogar etwas zu essen. Obwohl ich bezweifele, dass die Statue das dann auch wirklich essen kann. Das ist wohl ein bisschen so, wie sich Kinder um ihren Lieblingsteddy kümmern.

 

Ich habe zwei Lieblingsgötter: Krishna und Ganesh.

Krishna ist ein ganz süßes, kleines Kind mit blauer Hautfarbe. Blaue Haut steht für die Farbe des Himmels und dort wohnen die Götter. Krishna trägt immer eine indische Flöte bei sich, die nennt man „Bansum“ und er trägt eine Pfauenfeder im Haar. Es gibt ganz viele Geschichten über ihn, in den meisten ist er sehr verspielt und frech. Eine Geschichte erzählt, dass er 16.108 Prinzessinnen vor einem bösen Dämon retten konnte und sie danach alle geheiratet hat. Ganz schön viele Frauen! Im August feiern tausende von Menschen in Indien seine Geburt. Man nennt das Fest „Janmashtami“. Ähnlich wie bei uns zu Weihnachten liegt dann eine kleine Babypuppe in einem Bettchen. Die Menschen feiern mit vielen Blumen, Musik und Tanz.

Ganesh hat einen kleinen Kinderkörper und einen riesigen Elefantenkopf mit nur einem Stoßzahn. Jeder Gott hat ein Tier, mit dem er sich fortbewegen kann. Ganesh reitet auf einer kleinen Maus. Viele Kinder und Schüler mögen ihn besonders, denn er gilt als Glücksbringer und Symbol für Weisheit und Intelligenz. Er hat einen Elefantenkopf, weil ihm sein Vater Shiva in einem Wutanfall den Kopf abgeschlagen hat. Danach hat sein Papa wohl gemerkt, dass man ohne Kopf schlecht leben kann und hat seinen Wachen befohlen, in den Wald zu gehen und von dem ersten Tier, das sie sehen, den Kopf mitzubringen. Das war dann ein Elefant. Jeder Puja, das ist ein hinduistischer Gottesdienst, beginnt mit einem Gebet an Ganesh. Wenn Hindus ein neues Haus kaufen, dann ist eine Statue von Ganesh oft das erste, was hineingestellt wird. Er hat vier Arme, weil das ein Zeichen von überlegender und göttlicher Macht ist. Er trägt eine Waffe zum Schutz gegen alles Böse und eine Lotusblume bei sich. Die anderen Hände machen Mudras, das sind eine Art Zeichensprache. Vor ihm steht oft eine Schale mit Süßigkeiten. Ich mag den kleinen Ganesh!

 

Ein weiterer wichtiger Gott ist Vishnu, der Gott der Ordnung und des Friedens. Man sagt, er bestimmt das Schicksal der Menschen. In seinen Händen hält er eine Meeresschnecke, ein Rad, eine Keule und eine Lotusblume. Er reitet entweder auf einem Vogelmenschen oder auf einer Riesenschlange. Wenn die Welt in Gefahr ist, dann sucht er sich Eltern aus und kommt auf die Erde, um wieder Ordnung zu schaffen. Man weiß nicht genau, wie oft er schon auf der Welt war, aber man sagt, er kam schon in der Gestalt eines Fisches, einer Schildkröte, eines Schweins, eines Zwerges und auch Krishna ist eigentlich Vishnu. Vielleicht ist er ja jetzt gerade mal wieder auf der Welt und schafft endlich Frieden.

 

Shiva ist der Gott der Gegensätze. Er wäscht sich nie und ist wild und unberechenbar. Seine Haare sind ganz wuschelig und sein Körper ist mit Asche eingerieben. Er reite auf einem Stier mit dem Namen Nandi. Auf seiner Stirn befindet sich ein drittes Auge. Dieses ist wie Feuer und kann alles verbrennen. Shiva steht für das Gleichgewicht, also Leben und Tod, Gut und Böse, Bewegung und Ruhe, Gewalt und Milde. Seine Frau hat gleich mehrere Namen: Kali oder auch Parvati. Der gemeinsame Sohn ist Ganesh, mein Lieblingsgott. Also war es Shiva der Ganesh, seinem Sohn, aus Wut den Kopf abgehauen hat.

 

Und dann gibt es noch 296.000.000 andere Götter. Aber die habe ich vergessen.

 

 

WAS SIND KASTEN?

 

In Indien hat man viele Jahre die Menschen in vier Gruppen eingeteilt. Diese Gruppen nennt man Kasten. Die erste Kaste ist die der „Brahmanen“. Das sind Priester oder religiöse Lehrer. Die zweite Kaste nennt sich „Kshatriyas“, das sind Krieger und Adlige, die sollen alle aus den anderen Kasten beschützen. Die dritte Kaste heisst „Vaishyas“, das sind Kaufleute, Bauern und Handwerker, die sollen die anderen Kasten versorgen. Die vierte Kaste nennt sich „Shudras“. Die Menschen, die dieser Kaste angehören stehen den ersten beiden Kasten als Diener und Arbeiter zur Seite. Dann gibt es noch die kastenlosen, die heißen auch Unberührbaren. Je nachdem in welche Familie man hinein geboren wird, dieser Kaste gehört man dann lebenslang an. Früher durften Menschen aus unterschiedlichen Kasten noch nicht einmal zusammen essen. Das hört sich ganz schön kompliziert an. Obwohl das heute in den Städten schon alles ganz anders funktionieren soll. Und wenn man mal fragt, wer sich das alles ausgedacht hat, dann gibt es noch nicht einmal eine genaue Antwort! Noch immer wird oft nur innerhalb einer Kaste geheiratet. Übrigens, wenn man in Indien heiratet, dann funktioniert das etwas anders als bei uns. Fast alle Inder gehen vorher zu einem Astrologen, also zu jemandem, der die Sterne deuten kann. Die Familie entscheidet, wer nach den Sternen gut zusammenpasst und ganz oft sehen sich zwei Menschen bevor sie heiraten nur ein einziges Mal. Dann sind sie auch schon verheiratet. Ob die sich dann auch wirklich lieben? Na hoffentlich haben die Sterne oft recht. Ich weiß nicht, ich glaub, ich möchte das mal ganz anders machen.

 

 

ACH DU HEILIGE KUH

 

In Indien fahren sehr viele Autos und Motorräder ziemlich schnell und ganz durcheinander. Immer hupt jemand und man muss schon ganz schön aufpassen, wie man über die Straße kommt. Nur vor Kühen halten alle Fahrzeuge ganz brav an, denn Kühe sind heilige Tiere in Indien. Und das schon seit 3500 Jahren. Die Inder sagen, dass die Kuh ihnen 5 heilige Gaben schenkt:

  1. Ghee, das ist so etwas ähnliches wie Butter. Man nimmt es zum Kochen und als Lampenöl in Tempeln.

  2. Pupus, also Kuhkacke….wenn man es getrocknet hat, dann soll es ein prima Brennmaterial sein. Außerdem ist es wie ein Kleber und zusammen mit Lehm und Stroh baut man aus Kuhfladen echte Häuser! Wie das wohl riecht? Gleichzeitig hält es die Fliegen fern…na, das kann ich mir vorstellen.

  3. Kuhpipi: das hilft bei Zahnweh und Karies – seit ich das weiß, putze ich mir noch gründlicher meine Zähne. Früher hat man mit dem Pipi auch Wunden gereinigt. Mit Wasser vermischt ist das Pipi auch ein beliebtes Putzmittel.

  4. Milch: sie wird in den indischen Tee gemischt. Der heißt „Chai“.

  5. Joghurt: in Indien heißt er „Lassi“ und man trinkt ihn anstatt ihn zu löffeln. Er ist ein wenig bitter und oft vermischt man ihn mit Salz oder frischen Früchten. Ich mag ihn sehr gern mit frischem Ananassaft.

 

Man darf eine Kuh in Indien nicht töten, auch nicht, wenn sie alt und krank ist. Es gibt richtige Kuh-Altersheime; dort werden die alten Kühe versorgt und gepflegt. Ich hab sogar gesehen, wie Menschen sich vor einer Kuh verbeugen, mit ihnen kuscheln, singen und für sie beten. Und die Kühe in Indien wissen Bescheid: sie stehen und liegen überall wo sie wollen. Auf der Straße, im Park oder auf dem Marktplatz. Und wenn es sehr warm ist, dann springen sie einfach in einen Brunnen, um sich abzukühlen. Besonders süß fand ich eine ganz kleine Babykuh, die lag immer vor einem Café, in dem wir gefrühstückt haben. Die konnte ich auf echt streicheln. Schon komisch so viele Kühe überall! Stellt Euch mal vor, in Hamburg oder Palma auf den Straßen gehen und schlafen plötzlich ganz viele Kühe und die Autos müssen bremsen und warten. Das wäre schon lustig, oder? Und wenn man zu spät zur Schule kommt, dann sagt man einfach, dass die Babykuh vor dem Auto zu müde war, um aufzustehen.

 

LINKE UND RECHTE HAND

 

Ganz wichtig zu wissen ist, dass man in Indien fast alles nur mit der rechten Hand machen darf. Essen, bezahlen, berühren, schenken. Da sollte man sich immer dran erinnern. Es ist nämlich so: in Indien gibt es kein Klopapier! Man hat in jeder Toilette einen Wasserhahn und nimmt dann seine linke Hand, um alles danach sauberzuwaschen. Sehr ungewohnt, aber wenn man darüber nachdenkt, gar nicht so doof. Wasser wäscht schon besser als Klopapier putzt. Auf jeden Fall gilt die linke Hand als unrein. Wenn man in ganz kleine Dörfer kommt, dann würden die Menschen sogar das Geld zum Bezahlen nicht aus der linken Hand annehmen. Im Restaurant ist die linke Hand unter dem Tisch und hält still. Ich finde das ganz schön schwer, vor allem wenn man das Brot zerteilen möchte, mit nur einer Hand wohlgemerkt! Versucht das mal! Die Inder können das richtig gut, die haben eben Übung. Besteck gibt es auch nicht (außer dort, wo viele Menschen Urlaub machen) und man isst sein Essen mit den Fingern. Es ist schon sehr ungewohnt, aber es schmeckt echt besser.

 

INDISCHER TANZ

 

An einem Tag waren wir in einem Kulturzentrum. Dort führen Künstler den traditionellen „Kathakalitanz“ vor. Das ist eine der ältesten Tanzformen der Welt. Es ist eine Mischung aus Geschichten erzählen, Tanzen, Musik und Ritualen. Der Tänzer wird sehr aufwendig geschminkt. Es kann bis zu vier Stunden dauern, bis das Make-up fertig ist. Dann ziehen die Tänzer riesige Kostüme an und tanzen pantomimisch zu indischer Musik. Um diesen Tanz zu lernen, muss man 10 Jahre zu einer besonderen Schule gehen. Jeder Schritt, jede Geste, jede Fingerbewegung und Augenbewegung sind genau vorgegeben. Die Tänzer sind alles Männer, egal ob sie eine Frau oder einen Mann spielen. Ich wollte auch einmal geschminkt werden. Also sind wir am nächsten Tag wieder zu dem Kulturzentrum hingegangen und man hat mich als den Helden geschminkt. Ganze zwei Stunden hat das gedauert. Dabei musste ich ganz gerade sitzen. Das hat viel Spaß gemacht und am Ende sah ich echt ganz anders aus, so als hätte ich eine Maske auf. Die Farben sind übrigens alle aus gemahlenen Steinen hergestellt. Als ich fertig geschminkt war, wollte ich die Schminke im Gesicht lassen und bin mit meiner Mama durch die Stadt gegangen. Da haben die Leute echt gestaunt. Das Abwaschen war dann übrigens ganz schön schwierig und wir haben sehr viel Kokosnussöl dafür gebraucht.

 

Indien ist ein wirklich spannendes Land. Ich habe nur Kerala besucht, das ist ganz im Süden, aber es gibt in Indien noch viele viele andere Länder zu entdecken. Ich möchte auf jeden Fall noch einmal nach Indien! Wenn ich an Indien denke, dann vermisse ich es oft.

 

„Namaste“ an alle Leser. Das sagt man in Indien wenn man guten Tag, danke und auf Wiedersehen sagen möchte. Dazu legt man beide Handinnenflächen aneinander, so als würde man klatschen. Man führt die Hände vor das Herz und beugt den Kopf ganz leicht. Namaste bedeutet: ich verbeuge mich vor Dir und Du und Ich sind eins. Also Namaste!

 

Februar 16th, 2010

Where is the hand, there is eyes.

Where is eyes, there is mind.

Where is mind, there is soul.

Teaching in the Kathakali Dance (traditioneller Tanz in Kerala, Indien)

Zwischenstop in Kuwait

Dezember 9th, 2009

Bereits auf dem Flughafen in Frankfurt stehen sie mit uns an: viele Frauen, von denen man nur die Augen durchblitzen sieht. Auch das nur, wenn man ganz genau hinschaut. Warum nur machen die das? Meine Mama sagt, es ist die Religion. Die wird in einigen Ländern und in einigen Kreisen so gelebt, dass man bei der Frau kein Stückchen Haut sehen darf damit die Männer nicht vom Beten abgelenkt werden. Wenn sie zum Schwimmen gehen, dann ziehen sie einen ganz schwarzen Anzug an, keinen Badeanzug, sondern einen, der den ganzen Körper und Kopf bedeckt. Wie die sich wohl unter dem Schleier fühlen? Auf jeden Fall könnten die Jedem die Zunge rausstrecken, und keiner könnte es sehen. Hat also auch was Gutes!
Kurz bevor wir in das Flugzeug einchecken fährt an uns eine Frau im Rollstuhl vorbei. Besser gesagt, es ist fast nur ein Kopf im Rollstuhl. Der Körper ist fast nicht da. Und doch lächelt das Gesicht. Menschen sind Menschen, unabhängig von ihrem Körper finde ich. Warscheinlich fühlt und denkt sie genauso wie alle anderen. Und doch gehe ich die nächsten Schritte auf meinen eigenen Beinen sehr glücklich und bin echt froh, dass sie so gut funktionieren.
Im Flugzeug gibt es einen Radiosender, auf dem der Koran gesungen wird. Das hört sich echt toll an! Ich werde mir in Kuwait eine CD davon kaufen. Ich mag das! Auf dem Bildschirm vorne im Flugzeug zeigt ein Pfeil immer in die Richtung, wo die Stadt Mekka liegt, damit Muslime wissen, in welche Richtung sie beten müssen. Denn das ist immer in die Richtung Mekka.
In Kuwait sieht man die gleichen bunten Bilder, Werbungen und Produkte wie bei uns. Nur die Buchstaben sehen ganz anders aus, verschnörkelt und schön. Aber lesen kann ich leider nichts von dem. Meine Mama sagt, man liest die Schrift von rechts nach links. Es heißt: arabisches Alphabet. Aber eines ist gemein: da kann ich gerade lesen und schon wieder ist alles wie ein Buch mit sieben Siegeln. Strassenschilder und Namen sind dann aber doch auch in englischer Sprache dazugefügt. Der Emir, sozusagen der König von Kuwait, wusste wohl, dass ich vorbeikomme. Danke! Eingeladen hat er mich allerdings nicht, dabei hat er wirklich ein riesiges Haus. Der muss viel Geld haben!

Eine Sache ist mir noch gleich aufgefallen: die Männer tragen hier Kleider! Ganz lang und luftig sehen die aus. Ein Freund von meiner Mama hat mir erklärt, dass sie tatsächlich gemütlich und angenehm zu tragen sind. Vorallem im echt heißen Sommer. Da kann es bis zu 50 Grad warm werden. So warm wie ein heißer Kakao. Kuwait liegt nämlich in der Wüste. Im Sommer sind die Kleider der Männer weiss, im Winter schwarz. Und in den Jahreszeiten dazwischen oder warscheinlich wenn man vergessen hat zu waschen, dann sind sie grau.
Wir sind dann auf einen Markt gegangen. Der war bunt und laut und ganz anders als der Markt in Palma. Auch komisch ist, dass man bei jedem Preis handeln muss. Also man darf nicht den Preis bezahlen, den der Verkäufer nennt, sonst ist der nämlich beleidigt. Meine Mama kann nicht handeln. Sie kam echt ins Schwitzen bei den ganzen Argumenten und Preisen. Am Ende dann haben wir doch alles gekauft was wir wollten. Meine Mama meint, die haben uns über den Tisch gezogen und das Deutsche eben nicht handeln können. Was meint sie damit?
Dann sind wir durch die Fleischabteilung geschlendert. Da waren lauter ganz ekelhafte Dinge, brrrr. Meine Mama wollte unbedingt einen Schafskopf fotografieren. Der sah gruselig aus, hatte noch Zähne und Augen. Ich wollte nicht und bin schreiend weggelaufen, aber sie hat es trotzdem gemacht. Gemein! Dieses Foto will ich mir nie nie nie angucken!